Samstag, 3. Oktober 2009

Zug wird zum mittelalterlichen Vergnügungspark





Genialer Coup der Tourismus Initiative in Zug (?): Besucher koennen in der kleinen Schweizer Stadt eine Reise in die duestersten  Epochen der mittelalterlichen Geschichte machen.



Wie der Tagesanzeiger berichtet, darf man in Zug nicht behaupten, dass es wahrscheinlich keinen Gott gibt. Die Plakatinitiative der Atheisten "Da ist wahrscheinlich keinen Gott,..." ist dort - der ueberwiegend christlichen Bevoelkerung - nicht zuzumuten. Gleichzeitig wurden vom selben Stadtrat die Plakatinitiative gegen Minarette in der Schweiz genehmigt.


Zug hat viele Kirchen und Kloester. Sie dominieren das Stadtbild  seit Jahrhunderten und spiegeln so den stark ausgeprägten christilichen Glauben in der Region wieder. Dabei bleibt es nicht nur bei Kirchen. Auch Plakate der Kirchen mit Botschaften wie "Jesus Christus spricht: Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben" kann man an vielen Hauswaenden sehen.  Und das ist in einer Gesellschaft mit ueber 80% Christen sicherlich auch  legitim.



Und scheinbar auch nötig. Denn die Kirche in der Schweiz fuehlt sich bedroht von den 4% Schweizern islamischen Glaubens. Und damit diese Andersgläubigen nicht die schöne Kirchenlandschaft verschandeln und vielleicht auch noch Plakate aufhängen ("Islamismus ist Frieden") erlaubte man schnell die Plakatinitiative gegen Minarette in der Schweiz.


Zusammengefasst: Chrsitliche Kirchen und institutionen duerfen Ihren Glauben oeffentlich zur Schau stellen. Zweifler am christlichen Glauben (in Form von Plakaten) oder Muslime (in Form von Minaretten) duerfen das nicht.

Die atheistischen Plakate geben einen Anstoss zum Nachdenken, eröffnen neue Horizonte und geben eine Wahl, sind demokratisch. Die Minarett-Verbots Plakate diskriminieren, verbieten und schränken ein.

Kein politisches Organ im modernen Europa darf  in diese mittelalterliche Denkweise verfallen. Keine politische Entscheidung darf im modernen Europa so von der Kirche beinflusst werden.

Wenn sich glaeubige Christen von der Aussage "Da gibt es wahrscheinlich keinen Gott" verstoeren lassen, dann liegt das Problem bei der Kirche.

Aber, wahrscheinlich, ist die Anti-Atheismus und Anti-Islam-Debatte ja nur eine Initiavie des örtlichen Tourismus-Verbandes: Zug wird zu einem mittelalterlichen Themenpark, in dem moderne und weltoffene Menschen noch einmal die Denkweise des Mittelalters erleben koennen, denn Ernst gemeint sein kann es ja eigentlich nicht, in der demokratischen Schweiz. Oder?

Hier bietet sich doch noch die Gelegenheit für weitere touristische Attraktionen: Käse-Fondue über dem Scheiterhaufen  oder in Kirschwasser ertränkter Hexenkuchen, Management Seminare für outpowered Inquisitoren im Hotel am Hof oder 'Näher mein Gott zu Dir Wanderungen' auf dem Alphorn.

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Update: Natürlich wird Zug damit nicht bis zur Endstation fahren können:

Rassismuskommission: Minarettplakate gefährden den öffentlichen Frieden